Bittere Lehrstunde für den BV Germania. Nach der klaren 1:4-Niederlage zum Saisonauftakt beim FC Heeseberg kassierten die Wolfenbütteler auch in ihrem ersten Heimspiel eine gleichlautende Klatsche.

BV Germania Wolfenbüttel - Goslarer SC 1:4 (0:2). Tore:0:1 (Elfmeter/43.), 0:2 (45.), 0:3 (68.), 0:4 (75.), 1:4 (77.) Mikail Ilica.

Eine geschlagene Viertelstunde hielt Trainer Bilal Kötüz seine ausgelaugte Truppe nach der Partie im Mittelkreis fest - es gab Redebedarf. Körpersprache, Einsatz, Spielintelligenz: Der Trainer hat ganz viele Baustellen bei der Germania.

Dabei hatte es zunächst gar nicht so schlimm ausgesehen. Die Platzherren hielten munter mit gegen kompakte Goslarer, die wohl gerne wieder aufsteigen möchten. Doch das wird sicher kein Selbstläufer, denn die Gäste waren im ersten Durchgang keineswegs derart überlegen, wie das Ergebnis aussagt.

Offensiv hat der SC streng genommen nur einen Mann - aber was für einen! Tahir Darboe bereitete den ersten Treffer (Elfmeter) seiner Mannschaft vor und erzielte dann zwei Tore selbst, bevor er nach 72.Minuten ausgewechselt wurde. Der pfeilschnelle Stürmer entwischte seinen Bewachern immer wieder, obwohl Kötüz seine Jungs gewarnt hatte. Selbst als Kollektiv bekamen sie Darboe nur selten in den Griff.

Allerdings profitierte der Angreifer von der Sorglosigkeit in Mittelfeld und Defensive der Germanen. Im Vorfeld des Elfmeters hätte es fast 1:0 für den BVG geheißen, doch der Gästetorwart kratze den Ball von der Linie. Der Befreiungsschlag landet bei Darboe, der den Turbo zündet, gleich zwei Verteidiger überläuft und dann im Strafraum gelegt wird. Zwei Minuten später eine unbedachte BVG-Rückgabe, die sich natürlich Darboe erläuft und unbedrängt einschiebt. Sein zweites Tor macht er nach einem schnellen Haken auf Halbrechts, von wo er das Leder flach ins linke Eck drischt.

Trotz dieser gnadenlosen Einschläge war Niklas Pillasch im Germanen-Tor an diesem Tag bester Mann des Kötüz-Teams. Er vereitelte eine ganze Reihe weiterer Hochkaräter, so auch beim 0:4, als er den ersten Schuss mit einer Glanztat abwehrte, gegen den Nachschuss am Boden liegend jedoch machtlos war.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Germania-Fohlen schon nahezu restlos aufgegeben. Hinten wirkten sie verunsichert, und im Angriff ging ganz offensichtlich die Angst vor eigenen Fehlern um. Wirklich kreative Spielzüge waren nur selten zu sehen. Der sonst so kontrollierte Trainer schimpfte am Spielfeldrand lautstark über "unsere vielen verschenkten Bälle".

Germanias Ehrentreffer fiel quasi aus dem Nichts. Der zur Pause eingewechselte Mikail Ilica nahm einen von rechts hereingegebenen Freistoß als direkten Heber und überwand Goslars Julian Frischemeier, der zu weit vor seinem Kasten stand. Der Applaus des Germania-Anhangs hielt sich aber in Grenzen. Zu sehr sah das Ganze nach einer missglückten Flanke aus.

Germania: Pillasch - Eggers, Bröer, Birkan (78.Döring), Brandt (46.Ilica), Madsack, Sabani, Oehlmann, Himmstedt, Zobel, Golkowski (57. Schmidt).


Quelle: Wolfenbütteler Zeitung - 12. August 2019